27 - 06 - 2019

„Rücken krumm, Tasche leer, Sana-Klinik, danke sehr!“

Werner Sarbok im Gespräch mit Karl Lichtenberg - UZ vom 07.06.2019

In der vergangenen Woche hat ver.di im Tarifkonflikt mit der Sana Kliniken AG ein Ergebnis für die bundesweit rund 10 000 Beschäftigten erzielt. Darüber sprachen wir mit einem Kollegen, der in Berlin als Krankenpfleger bei dem Konzern arbeitet. Der Kollege möchte nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden, daher nennen wir ihn hier Karl Lichtenberg.

UZ: Was hat die Kolleginnen und Kollegen in dieser Tarifauseinandersetzung am meisten bewegt?

Karl Lichtenberg: Wir erleben in Pflege und Funktionsbereichen seit Jahren eine unerträgliche Arbeitsverdichtung. Für das bisher gezahlte Gehalt will hier keine Fachkraft mehr anfangen. Junge Kollegen suchen sich woanders eine Stelle. Viele kommen auch krank zur Arbeit, nur damit der Laden noch irgendwie läuft. Da haben sich viele gesagt: So geht das nicht mehr weiter! Somit hatten wir erstmals eine hohe Streikbereitschaft. Empört hat es auch viele, dass die Gegenseite sich monatelang nicht bewegt hat und nichts anbieten wollte. Die Geschäftsleitung hatte sogar behauptet, dass es bei Sana keinen Fachkräftemangel gebe. Das brachte das Fass zum Überlaufen.

UZ: Was hat der Abschluss für die Beschäftigten gebracht?

Karl Lichtenberg: Die Tarifverhandlung brachte am 23. Mai erstmals ein Ergebnis zustande, nachdem die Kapitalseite monatelang gemauert hatte. Danach soll es 4 Prozent mehr Gehalt geben, die Laufzeit aller Entgeltregelungen beträgt ein Jahr. Eine Einmalzahlung von 450 Euro, für Pflege-Azubis 50 Euro mehr und ab dem 1. Januar 2020 nochmals 50 Euro. Zum nächsten Jahreswechsel wird die Arbeitszeit im Osten angeglichen, dann beträgt die wöchentliche Arbeitszeit dort wie im Westen 38,5 Stunden.

Immer weniger Beschäftigte versorgen immer mehr Patient*innen zu schlechteren Bedingungen. So lautet die Bilanz der Sana Kliniken der vergangenen Jahre.

Die Bezahlung der Sana Beschäftigten liegt bis zu 10 Prozent unter denen des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes und auch deutlich unter den Konzerntarifverträgen anderer privater Klinikkonzerne. Außerdem ist die Arbeitszeit in Ost und West 30 Jahre nach dem Anschluss der DDR an die BRD immer noch nicht gleich, denn in Ostdeutschland arbeiten Sana Beschäftigte wöchentlich eine Stunde mehr.

Während in den Krankenhäusern der Bundesrepublik mehr als 143.000 Pflegekräfte fehlen und dieser Personalmangel zu einer schlechteren Versorgung der Patient*innen sowie zu einer ständigen Überlastung des Pflegepersonals führt, verweigert die Sana Kliniken AG ihren
Beschäftigten eine Anerkennung dieser belastenden und anspruchsvollen Arbeit.

Die DKP Berlin solidarisiert sich mit den Sana Beschäftigten im Arbeitskampf um faire Bezahlung und gerechte Arbeitsbedingungen.

Der Pflegenotstand ist zu beenden! Dafür brauchen wir eine gesetzlich verbindliche Personalbemessung, die sich am Bedarf der Patient*innen orientiert.

Streiten wir gemeinsam für eine gute Gesundheitsversorgung, eine bedarfsgerechte Pflege, eine faire Bezahlung und gerechte Arbeitsbedingungen!

 

 

 

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